IGV-Venekotensee

Der jüngste Niederkrüchtener Ortsteil "Venekoten"

Das heutige Venekoten fristete bis Anfang der 60er Jahre ein Dasein als schwer zugängliche, sumpfige Auen­landschaft mit hohem Wasserstand. Erlen und Sumpfbirken hatten hier ein Zuhause. Die ehemaligen Flusswindun­gen der Schwalm (in den 30er Jahren begradigt) waren noch gut sichtbar. Erst 1962 begann die damalige Gemeinde Elmpt damit, das Bruchgelände mit Schwimmbaggern zur Kiesausbeute zu nutzen. Zeitgleich wurde ein Grünord­nungsplan erstellt, um planerisch festzu­legen, in welchen Grenzen der Kies abgebaggert werden sollte. In dieser Erstfassung ging es auch um die sinn­volle Nutzung des entstehenden Bag­gersees: vorgesehen waren Wander­wege und Bereiche für den Angelsport. Berechnungen ergaben, dass durch die Entnahme der Kies-/Sandmassen ein gewaltiges Volumen an Erdmasse frei wurde. Das Wasser würde sich am tief­sten Punkt der Schwalmniederung auf natürlichem Wege sammeln und den Grundwasserspiegel des Umfelds um 80 cm absenken. Das hieß: hier konnten auch Häuser gebaut werden! Das Projekt brauchte nun einen Namen. Bei den Flurbezeichnungen der näheren Umge­bung wurde man fündig: Venekoten. Sprachlich keltisch bzw. niederländi­schen Ursprungs, bedeutet Ven Bruch/ Sumpf und Kotten Hütten/kleine Häuser. Das passte zum künftigen Naher­holungsgebiet mit See und integrierter landschaftsschonender Bebauung, die 20-30 Häuser an geschwungenen Er­schließungswegen vorsah. Nach mehre­ren Ratssitzungen der Gemeinde Elmpt stimmte man dem Vorhaben und dem Namen Venekoten bzw. Venekotensee zu.

Wer konnte das Projekt Venekoten­see realisieren?

Zwischenzeitlich ging die Kiesausbeute im neuen Venekotensee - bis zu 28 m Tiefe, 1,3 km Länge, 100 bzw. 200 m Breite - bis zur geplanten Begrenzung weiter. An den künftigen Uferzonen wurde bis zu 12 m Tiefe gebaggert. Aber nun stellte sich die wichtige Frage: wer konnte das Projekt Venekoten realisie­ren? Die Herren Rolf Peltzer und der damalige Gemeindedirektor Siegers kamen ins Gespräch. Herr Peltzer hatte eine Vision: den Bau von ca. 400 Ferien­wohneinheiten und die Errichtung at­traktiver Sportstätten für Tennis und Reiten. Der Kaufpreiserlös würde die erforderliche Infrastruktur mitfinanzieren. Diese Idee wurde von Herrn Peltzer wei­terverfolgt, der Gemeinde schlüssig dar­gestellt und mündete in einen Bebau­ungsplan, den der Gemeinderat Elmpt im März 1965 aufstellte. Die Käufer der ca. 40 Hektar großen Fläche - Kaufpreis DM 2,50/qm - waren die drei Gesell­schafter Albert Boochs, Hans Bonseis und Rolf Peltzer. Sie setzten das geplan­te „Feriendorf Venekotensee" in die Tat um und trugen auch die Erschließungs­kosten ab späterer Pforte. Die Gemeinde schuf im Gegenzug eine befestigte Zu­fahrt von Overhetfeld aus über die Nasse Straße bis zur Pforte und übernahm auch die Wasser- und Stromzuführung dorthin.

Die Entwässerungsgräben aus den 30er Jahren dienten als Richtschnur bei der Wegeführung

Wie schon erwähnt, handelte es sich bei dem Areal um ein schwer zugängliches Sumpfgebiet aus dem früheren Verlauf der Schwalm. Die unter schwierigen Bedingungen in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts schnurgerade angelegten Entwässerungsgräben dien­ten nun als Richtschnur bei der Erschließung, der Linienführung für die Bebauung und zur' Wegeführung. Eine übliche Grundstücksvermessung (Stein­setzung) war in diesem unwegsamen Gelände nicht möglich. Daher wurden alle Grundstücke, jeweils 541 qm groß, mit einem als „Sonderung“ bezeichneten Verfahren vermessen. Die Bebauungsplanung der Gesellschafter sah ca.320 Häuser und 80 Appartements vor, die natürlich katastermäßig erfasst werden mussten. Doch wegen der extremen Mücken- und Bremsenplage weigerte sich das zuständige Katasteramt, eine Vermessung durchzuführen. Nur mit Mühe konnten 2 Fachleute gefunden werden, die, etwa 6 Monate lang, wie Imker Verkleidet, die notwendige „Umringsvermessung“ durchführten. Die Gesellschafter gründeten die Ferienheim-Verwaltungs-GmbH & Co. KG und stellten 1967 die ersten Musterhäuser und Garagen sowie eine Reithalle mit Gastronomie im „Erholungsgebiet Vene­kotensee" fertig. Die Kosten der schlüs­selfertigen Landsitze lagen zwischen DM 54.000 und 120.000. Vorarbeiten: die Grundstücke wurden gruppenweise ausgekoffert, der Schlamm entfernt und die Baugruben mit Kies aus dem See verfüllt, so dass sie nach Verdichtung mit einer armierten Betonplatte bebaubar wurden. Denn Fundamente waren nicht möglich.

Der zügige Verkauf lockte Kauf­interessenten/Tagestouristen in Scharen an

Durch Tageszeitungen (ganzseitige An­zeige in der BILD-Zeitung!) wurde über Venekoten informiert: 460.000 qm Ferienland an einem 140.000 qm großen Baggersee innerhalb eines geschlosse­nen Geländes im Naturpark Schwalm-Nette! Das lockte vor allem Ärzte und Geschäftsleute aus MG, D, K, KR und dem Ruhrgebiet an, die Ruhe und Entspannung suchten.

Der zügige Verkauf der Häuser brachte aber auch Probleme, denn Kaufinteressenten/Tagestouristen kamen in Scharen. Die PKW's stauten sich bis Overhetfeld, so dass man quasi über Nacht einen Parkplatz schaffen und den Zugang zum Feriendorf Venekotensee mit einem Schlagbaum sperren musste. Bis 1972 hatte die Ferienheim-Gesell­schaft das Appartementhaus Alpha, alle 320 Häuser, Reitanlage, Tennisplätze, Minigolfplatz, Kneippanlage u.v.m. fer­tiggestellt.

Mit Wirkung v. 1.1.1975 kam es nach Anwohnervotum zu einem Vertrag zwi­schen der Ferienheim-Gesellschaft und der mittlerweile gegründeten Inter­essengemeinschaft Venekotensee (IGV). Die IGV übernahm in Eigenregie alle Pflege- und Organisationsleistungen für Venekoten, die nicht von der Gemeinde (vormals Elmpt, jetzt Niederkrüchten erbracht wurden. Zeitgleich gab die Ferienheimbau ihr erstelltes Abwasser­netz inklusive Kläranlage und die Fahr­straßen/Stichwege in die Hände der Gemeinde, die für die nun öffentliche An­lage Kanal- und Abwassergebühren erhob.

Erst Ende der 90er Jahre wurde der Antrag auf Berechtigung des ersten Wohnsitzes in Venekoten genehmigt. Venekotens Wohneinheiten dienten damals als Feriendomizil/ 2.Wohnsitz.

Im Laufe der Jahre aber wählten immer mehr Eigentümer Venekoten als ersten Wohnsitz;

Wurden als Bürger der Gemeinde mit allen Rechten und Pflichten verwaltet. Das sah die Bezirksregierung Düsseldorf anders und untersagte den Anwohnern ihren 1. Wohnsitz in Venekoten. Zur Einforderung dieses Rechts organisierte die Interessengemeinschaft Venekotensee 1987 eine Demonstration bei der Bezirksregierung – zunächst ohne Erfolg. Erst Ende der 90er Jahre stimmte die Bezirksregierung Düsseldorf dem Antrag der Gemeinde Niederkrüchten und damit dem Anliegen der Venekotener auf Berechtigung des ersten Wohnsitzes zu. Diese Möglichkeit haben inzwischen ca. 90% der Anwohner wahrgenommen. So wurde aus dem Ehemaligen Feriendorf mit 320 Bungalows und den Appartementhäusern Alpha/Omega,gelegen am malerischen Venekotensee, der jüngste Ortsteil der Gemeinde Niederkrüchten: "Venekoten".  

von Helga Sontag  (mit Dank an Herrn Rolf Peltzer für den historischen Hintergrund).

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