IGV-Venekotensee

Versorgungshäuser – eine Spezialität in Venekoten

1. Wie kam es zur Einrichtung der Versorgungshäuser?
In Venekoten gibt es die ungewöhnliche Situation, dass die Zähler für Strom und Wasser sich nicht direkt in den jeweiligen Häusern befinden, sondern zentral, je Stichweg oder Block, inden sog. Versorgungshäusern untergebracht sind. Dies geht auf die Historie des Ortes als Ferienhaussiedlung zurück: Damit niemand zur Zählerablesung anwesend sein musste, wurde den Versorgern jeweils ein Raum zur Verfügung gestellt, in dem sie alle Zähler eines Stichweges zusammen unterbringen konnten und zu dem sie einen Schlüssel bekamen. Ein Beauftragter der Versorger las die Zähler ab. Das war zur Entstehungszeit Venekotens eine gute und sinnvolle Lösung.


2. Welche Situation gab es in der Vergangenheit?
Mit Gründung der Interessengemeinschaft Venekotensee e.V. 1973 wurde die IGV Eigentümerin der Versorgungshäuser. Deren Vorstand hat sich damit viel Arbeit und auch Probleme eingehandelt: Instandhaltung, Wartung und Reparaturen erfordern planerischen und praktischen Arbeitseinsatz einschließlich der Beschäftigung von Unternehmen bzw.Teilzeitkräften.
Die Kosten hierfür dürfen natürlich nicht nur durch die Mitgliedsbeiträge aufgebracht werden. Deshalb haben frühere Mitgliederversammlungen sowie Vorstände beschlossen, von Hauseigentümern in Venekoten, die nicht Mitglied der IGV sind, eine sog. Nutzungsentschädigung zu fordern. Leider haben dies nicht alle Hauseigentümer akzeptiert, so dass gegen säumige Zahler erfolgreich gerichtlich vorgegangen werden musste.
Die Nutzungsentschädigung in Höhe von 42,61 Euro wurde vor vielen Jahren gerichtlich festgelegt. Diese bemisst sich -Urteil des AG Viersen- nach dem Wert bzw. dem Vorteil, den jeder Hauseigentümer dadurch hat, dass er keinen eigenen Versorgungsraum bei sich einrichten muss, sondern den der IGV nutzt. Dieses Urteil wurde in weit über 50 Gerichtsverfahren bestätigt. Zu beachten ist, dass die Höhe der Nutzungsentschädigung in keinem rechtlichen Zusammenhang mit den tatsächlichen Aufwendungen der IGV für die Versorgungshäuser steht. Eine Pflicht der IGV, Nichtmitgliedern die Ausgaben nachzuweisen, ergibt sich aus dem Urteil nicht. Selbstverständlich erläutern wir auf jeder Jahreshauptversammlung unseren Mitgliedern alle Ausgaben, die uns durch Betrieb und Instandhaltung der Versorgungshäuser entstehen.
Die Höhe der Nutzungsentschädigung haben wir seit vielen Jahren stabil gehalten, was nur durch den Arbeitseinsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter möglich ist. Im Mitgliedsbeitrag der IGV, ebenfalls seit vielen Jahren stabil bei 100 EUR p.a., ist übrigens die Nutzungsentschädigung bereits enthalten!


3. Wie ist die aktuelle Situation?
Wir begehen zweimal im Jahr, vor und nach der Heizperiode, alle Versorgungshäuser. Dabei wird insbesondere die Funktion der Heizung geprüft, die das Einfrieren der Wasserzähler und -leitungen verhindert. Außerdem erstellen wir eine Mängelliste, die dann abgearbeitet wird:
Abdichten von Dächern, Benachrichtigung und Abmahnung von Müllsündern (es kommt immer wieder vor, dass Müll in den Versorgungshäusern abgeladen wird), Reparatur von Türen etc. Derzeit läuft eine Aktion zur Bekämpfung von Ungeziefer, weswegen in den meisten Versorgungshäusern Gift ausgelegt ist. Bitte sorgen Sie dafür, dass weder Kinder noch Haustiere die Räume betreten können!
Normalerweise befindet sich um jedes Versorgungshaus (ggf. einschließlich der anschließenden Sperrmüllgarage) ein Streifen von etwa 1 Meter Breite, der genügt, um Zutritt zum Eingang zu erhalten. Dies ist nicht immer offensichtlich, denn viele Venekotener haben ihre Zäune widerrechtlich bis an die Wand des Hauses gezogen. Die IGV geht dagegen nicht vor, solange uns problemlos Zutritt gewährt wird. In einigen, wenigen, Fällen ist es (häufig im Zuge eines Verkaufes von Gemeindeland) zu Fehleintragungen im Grundbuch gekommen, die dazu führten, dass der erwähnte Streifen nicht mehr vorhanden ist bzw. dem Eigentümer des angrenzenden Grundstückes zugeschlagen wurde. Auch in diesen Fällen MUSS uns Zutritt zum Versorgungshaus gewährt werden, das ergibt sich aus dem Nachbarschaftsrecht. Die Problematik der Versorgungshäuser lässt sich auch nicht ohne weiteres dadurch beheben, dass die Hauseigentümer veranlasst werden, die Zähleinrichtungen für Strom/Wasser direkt in ihre Wohnhäuser zu verlegen. Das scheitert an den zu erwartenden hohen Kosten: Lt. Angebot der Gemeindewerke Niederkrüchten (Wasser) belaufen sich die Kosten pro Wohneinheit bis zur Grundstücksgrenze nur für Wasser auf 10.300,00 € bei einer Trockenverlegung, aber nur, wenn alle Anwohner eines Stichweges mitmachen. Bei Stichwegen, in der eine Trockenverlegung aus Gründen des Grundwasserspiegels nicht möglich ist, erhöhen sich die Kosten pro Wohneineinheit dementsprechend. Zusätzlich ergeben sich bei einer Installation des Stromzählers ins Wohnhaus weitere Kosten dadurch, dass viele Häuser in Venekoten stromtechnisch auf dem Stand von ca. 1970 sind; weil es sich bei der Verlegung der Zähleinrichtung ins Haus um einen Neuanschluss handelt, müssten diese Häuser auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden.
Die Versorger haben lediglich die Verpflichtung, bis zum Strom- bzw. Wasserzähler zu liefern, also bis in die Versorgungshäuser, falls der Hauseigentümer seine Zähleinrichtung dort untergebracht hat. Alles, was hinter dem Zähler kommt, ist die alleinige Privatangelegenheit dessen, der daran angeschlossen ist. Es gibt definitiv keine Möglichkeit, die Versorger dazu zu zwingen, direkt bis in jedes Haus zu liefern und dort eben auch Zähler zu installieren! Die Gemeindewerke Niederkrüchten GmbH weisen im Schreiben vom 06. Juni 2012 an die Eigentümer der Wohnungen im Bereich Venekotensee darauf hin, dass sie bei einer Entfernung der Trinkwasserzähleinrichtung durch die IGV aus den Versorgungshäusern „eine alternative und ausreichend sichere Unterbringung der Zähleinrichtung nachweisen“ müssten. Somit bleiben fast alle Hauseigentümer in Venekoten auch weiterhin auf die Unterbringung der Zähleinrichtungen in den Versorgungshäusern angewiesen. Deshalb muss die IGV als Eigentümerin weiterhin in die Unterhaltung und Instandhaltung investieren sowie auch Rücklagen für eventuell größere Reparaturen bilden.
Im Übrigen ist es jedem dringend anzuraten, seine Zählerstände, insbesondere den der Wasseruhr, regelmäßig abzulesen, um ggf. auffällige Verbräuche (=defekte Leitung) möglichst zeitnah festzustellen. Die Kosten für das ausgelaufene Wasser, die dazu anfallenden Kanalgebühren (!) und natürlich die Reparatur der Leitung trägt jeder selbst. Insbesondere letzteres kann sehr teuer werden, wenn sie womöglich über mehrere Nachbargrundstücke führt, was in Venekoten nicht selten ist. Außerdem sollte jeder seinen diesbezüglichen Versicherungsschutz überprüfen, dazu an anderer Stelle mehr (siehe auch Artikel Wasserversorgung). Bitte achten Sie, im eigenen Interesse, darauf, dass Stichwege nicht mit Fahrzeugen befahren werden, insbesondere nicht mit LKW. Auch nicht bei Bauarbeiten, auch nicht ausnahmsweise! Die Versorgungsleitungen verlaufen nämlich häufig parallel zu den Stichwegen, also genau da, wo die Räder von Fahrzeugen aufliegen, meist in geringer Tiefe. Die Belastung durch das Fahrzeuggewicht legt den Grundstein für einen Rohrbruch! Wir haben, direkt und über Versicherungsmakler, nach einer Versicherung gesucht, die bereit ist, für ganz Venekoten einen möglichst günstigen Gruppen- oder Sammelvertrag abzuschließen, es hat sich jedoch kein Anbieter gefunden, der für die über 30 Jahre alten Leitungen das Risiko tragen wollte. Es bleibt hier deshalb jedem überlassen, sich gegen den ggf. auftretenden Wasserschaden, die Folgekosten seiner Beseitigung und natürlich die Kosten für das ausgetretene Wasser selbst (im Versicherungsdeutsch "Medienverlust") bei seiner Hausratversicherung zu versichern bzw. den bestehenden Versicherungsschutz entsprechend zu erweitern.


4. Lösung für die Zukunft
Mit den Jahren sind die Aufwendungen der IGV für die Versorgungshäuser erheblich
gestiegen. Die bisherigen Einnahmen reichen hierfür nicht mehr aus. Deshalb hat die Mitgliederversammlung 2011 beschlossen, dass der Vorstand der IGV mit den Nichtmitgliedern Mietverträge abschließt und 72 Euro (6 Euro pro Monat) verlangt.
Dies haben wir in einem Anschreiben den Hauseigentümern, die nicht Mitglied der IGV sind, erläutert und unser weiteres Vorgehen wie folgt begründet:
„Unsere Kostenberechnung der Versorgungshäuser für die letzten 10 Jahre hat ergeben, dass die Mitglieder der IGV mit ihren Mitgliedsbeiträgen im Verhältnis zu den Nichtmitgliedern überproportional an den Kosten beteiligt waren. Denn die von der IGV gerichtlich eingeklagte Nutzungsentschädigung in Höhe von 42,61 wurde vor ca. 30 Jahren vom Amtsgericht Viersen festgelegt. Die Begründung: Ein finanzieller Vorteil entstehe dadurch, dass die Kosten für die Verlegung der Zähleinrichtung in das eigene Haus erspart blieben. Kosten der Instandhaltung blieben im Urteil unberücksichtigt. Bis heute erfolgte durch die IGV keine Anpassung der damals festgelegten Höhe der Nutzungsentschädigung.
Unser Ziel ist es, eine gerechte Kostenverteilung zwischen Mitgliedern der IGV und Nichtmitgliedern herzustellen, denn Nutzen und Notwendigkeit der Versorgungshäuser sind für alle gleich. Die IGV hat in der Vergangenheit immer auf die Solidargemeinschaft gesetzt. So soll es auch in Zukunft sein!
Wartung und Reparaturen an den Versorgungshäusern werden weiterhin nach Dringlichkeit durchgeführt. Um Rechtssicherheit zu haben, beschloss die Mitgliederversammlung auch auf der Grundlage einer anwaltlichen Stellungnahme mit den Nichtmitgliedern einen Mietvertrag über die Nutzung des Versorgungshauses abzuschließen. Ein Mietvertrag besteht aus klar definierten Pflichten und Rechten für Mieter und Vermieter. Dies ist bei der bisherigen Verfahrensweise, Zahlung einer Nutzungsentschädigung, nicht der Fall. Gegenüber den Nichtmitgliedern ist die IGV nicht verpflichtet, das Mietobjekt in einem ordentlichen Zustand zu halten, damit die Zähleinrichtungen der Versorger (Strom und/oder Wasser) auch weiterhin sicher und ordnungsgemäß untergebracht werden können. Das jeweilige Mietverhältnis hat ab dem Monat Januar 2012 zu beginnen.


Fazit: Nichtmitglieder zahlen 72,- Euro Miete pro Jahr während im Mitgliedsbeitrag
(100,- Euro) ebenfalls 72,- Euro für Aufwendungen an Versorgungshäusern zu
verrechnen sind.

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